Dienstag, 26. Mai 2009

¿Estéril, que es?

Nachdem ich jetzt alle Praktika und andere Uni-Versanstaltungen in Alicante abgeschlossen habe, sind mir in der täglichen Arbeit im Krankenhaus und in der medizinischen Ausbildung doch einige Unterschiede im Vergleich zu Deutschland aufgefallen.
Am auffälligsten empfand ich die komplette Abwesenheit von Händedesinfektionsmittel auf den Stationen. Nach Verlassen des einen Patientenzimmers und vor Betreten des nächsten blickten sich die deutschen Studenten immer hektisch um, um mit Sterilium ihre Hände zu desinfizieren - das ist in Deutschland schließlich gang und gäbe. Sie wurden aber bitter enttäuscht, da man diese Maßnahme in Spanien anscheinend nicht für nötig hält. Da wird eben ein Patient untersucht und einfach zum nächsten übergangen. Was mich auch sehr irritiert hat, war die Tatsache, dass die Türen zu den Patientenzimmern grundsätzlich sperrangelweit offen standen.
Im OP ist mir auch immer wieder aufgefallen, dass die Mehrzahl der spanischen Ärzte bzw. Krankenschwestern anscheinend das Prinzip der Sterilität nicht verstanden haben. Es ist ja nämlich so, dass wenn man einen unsterilen Gegenstand mit etwas sterilem berührt, man selbst dabei unsteril wird und nicht umgekehrt. Häufig wurde auch die nächste OP noch in den Klamotten und Handschuhen der vorangegangen OP vorbereitet und erst vor dem ersten Schnitt die Handschuhe gewechselt - allerdings auch ohne sich zwischendurch noch einmal zu desinfizieren. Wenn sterile Handschuhe angezogen werden, werden sie während dieser Handlung schon unsteril, sodass man sich den ganzen Aufwand eigentlich auch sparen kann.
Die Wechselzeiten zwischen den OPs konnte schon einmal eine Stunde betragen, weil die Schwestern lieber Pause machen wollten und vor 9 Uhr wurde auch nie begonnen.
Relativ unbefriedigend finde ich auch die Ausbildung der spanischen Medizinstudenten. Jeden Vormittag haben sie Praktika in wechselnden Fachrichtungen und nachmittags Vorlesungen. Drei Prüfungen pro Fach sind keine Seltenheit und da sich die Spanier beim Lernen gerne in Details vertiefen, können sie trotz täglichen Lernens in der Bibliothek die einfachsten Fragen nicht beantworten.
Noch schlimmer ist der praktische Teil der Ausbildung - der ist nämlich gar nicht vorhanden. Die Studenten haben kaum Patientenkontakt und bekommen wirklich fast gar nichts beigebracht. Weder Blut abnehmen noch eine Anamnese erheben oder einen Patienten untersuchen. Die Probleme fangen dann an, wenn sie anfangen yu arbeiten. Dann müssen sie nämlich ins kalte Wasser springen und z.B. das erste Mal bei einer OP assistieren oder Patientenaufnahmen machen. Und das mit zum Teil katastrophalen Ergebnissen. Meine Lieblingsgeschichte ist die, in der ein Assistenzarzt in der Neurologie einen Patiente aufnehmen soll. Dies tut er fast ohne neurologische Untersuchung (er hatte noch nicht einmal einen Reflexhammer!!!) und aufgrund schlechter Spanischkenntnisse des Patiente auch ohne Befragung desselbigen. Er übernimmt einfach die Daten des Notfallaufnahmebogens in die Akte und diagnostiziert beim Patienten einen Schlaganfall. Im Endeffekt litt der Patient an extrem hohem Blutdruck und konnte noch am selben Tag entlassen werden. Nie vergessen werde ich auch den Moment, als uns ein Arzt angeboten hat, bei einem Patieten mal einen Zugang zu legen und mein spanischer Mitstudent neben mir schon beim Gedanken daran fast das Bewusstsein verloren hätte.
Deswegen muss ich sagen, dass ich die Ausbildung in Deutschland doch um Längen besser finde als in Spanien und sehr froh bin, einen deutschen Abschluss machen zu dürfen

Montag, 16. März 2009

¡Qué buen rollo en el piso!


So, in letzter Zeit habe ich ja leider meinen Blog etwas vernachlaessigt, aber fuer die, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben und immer noch ab und zu vorbeischauen, werde ich mich bemuehen, wieder regelmaessiger zu schreiben.
In den letzten Wochen und Monaten ist viel passiert, am erwaehnenswertesten erscheint mir als erstes die Tatsache, dass ich meinen Aufenthalt verlaengert habe und nun auch den Sommer hier verbringen werde. Seit 1. Maerz wohne ich auch in einer neuen Wohnung, da mich mein netter italienischer Mitbewohner doch ausdruecklich gebeten hat, ich moege doch ausziehen (um einmal das unschoene Wort "rausschmeissen" zu vermeiden). Um nun mit dieser Episode meines Lebens endgueltig abzuschliessen, werde ich kurz erklaeren, wie es dazu kam und wie bescheuert der Italiener wirklich ist.
Anfangs wohnte ich ja mit besagtem Italiener und einer Ungarin zusammen. Nach und nach bekam ich spitz, dass die beiden wohl bevor sie zusammen gezogen sind ein kleines Techtelmechtel hatten. Fuer die Ungarin war das Kapitel schon lange abgeschlossen, fuer den Italiener anscheinend nicht. Er hatte sich unsterblich in sie verliebt und sie gleich deswegen Ende Oktober aus der Wohnung geschmissen. Ende Januar wurde mir dann mitgeteilt, dass ich doch bitte auch ausziehen solle, da ich noch immer mit ihr befreundet sei und er immer an sie erinnert werde, wenn er mich saehe... Aeh bitte was? Naja, so suchte ich mir eine neue Wohnung und bin Endeffekt sehr froh, dass ich jetzt hoffentlich mit "normalen Leuten" zusammenwohne. Die Wohnung liegt auf jeden Fall sehr zentral und enspricht sogar deutschem Standard - eine wahre Raritaet in Spanien!
Neben kleinen Macken, die wohl jeder hat, hat der Italiener aber auch ein paar groessere. Wie z.B. das allabendliche Pasta kochen (natuerlich nur Barilla, alles andere wird verschmaeht), zu der dann wahlweise Pesto, eine Dose Thunfisch oder eine Packung Lachs gegessen wurde. Obwohl ich hier in Spanien nicht ein einziges Mal Pesto gegessen habe, habe ich seit dieser Zeit eine unglaubliche Aversion gegen eben solches. Baeh!!!
Ausserdem bestand bei ihm immer der Zwang abends auszugehen. Es hiess immer: "Ich muss noch ausgehen heute." Nicht etwa ich will, sondern ich muss. Waehrend der Woche ist er immer um Punkt zwoelf zurueckgekehrt, weil er am naechsten arbeiten musste, um am Wochenende um Punkt vier, um dann um Punkt zwoelf wieder aufzustehen. Sprechen wir einmal von einem geregelten Leben... Und wenn ich mal einen Abend zu Hause war, wurde mir gleich unterstellt, ich sie langweilig und asozial. Ahja, danke fuers Gespraech!
Den Knaller hat er dann an dem Wochenende gebracht, als unsere Ungarin ausgezogen ist. Nichts ahnend sass ich samstag nachmittag im Wohnzimmer, als die Wohungstuer geoeffnet wurde und mir mein Italiener den grob geschaetzten 100 m langen Flur entgegenbruellte, ob was in Ordnung waere, wenn er ein paar Freunde mitbraechte. Klar, kein Problem. Kommt rein! Sofort wurde unsere Wohnung von acht Maennern gestuermt, die offensichtlich einen Junggesellenabschied feierten und mich alle mit grossen Augen musterten. Es seien Freunde von ihm aus Granada wurde mir aufgeregt mitgeteilt und kurzerhand wurde die ganze Bagage mit Pasta und Pesto (was sonst...) versorgt. Etwas irritiert von diesem Ereignis, weil man ja nun eigentlich vorher weiss, dass man von Freunden Besuch bekommt, verkruemelte ich mich erstmal in mein Zimmer und wartete ab. Spaeter, als ich zu einer Freundin wollte, wurde ich dann gefragt, ob ich auf eine Erasmus-Party ginge und ob nicht alle mitkommen koennte. Wieder etwas irritiert vor allem ob der Tatsache, dass seinen Freunden die ganze Situation wohl etwas unbehaglich war, nahm ich den Haufen kurzerhand mit. Auf der Party wurde es dann immer absurder, weil der Italiener mit seinen Freunden gar nicht richtig sprach und auch der Junggesellenabschied sich nicht recht wohl in seiner Haut fuehlte. Sie brachen deswegen auch frueher auf als wir und als wir spaeter in einer Bar wieder auf sie trafen, erzaehlte mir einer aus der Gruppe, dass sie meinen Mitbewohner am selben Nachmittag auf der Strasse kenngelernt haetten. Aeh bitte was? Nochmal!!! In dem Moment habe ich mir nur gedacht, der hat doch echt einen Drehkreisel im Gehirn. Und der fand das alles total normal!
Naja, hoffen wir, dass jetzt alles besser wird!

Un saludo

Dienstag, 9. Dezember 2008

Compañeros de piso


Anfang November ist meine geliebte ungarische Mitbewohnerin leider ausgezogen. Deswegen wohne ich jetzt seit gut einem Monat mit dem altbekannte Italiener und neuerdings mit einem Franzosen zusammen. Der Franzose ist ein Freund vom Italiener, deswegen, kannte ich ihn auch vorher schon. Kurz anmerken sollte ich noch, dass beide Anfang 30 sind. Und da passieren so einige erzaehlenswerte Sachen...

Erst einmal ist der Franzose gerade arbeitslos. Das heisst also, er haengt den ganzen Tag zu Hause rum. An sich ja kein Problem, nur leider sind die Wohnungen in Spanien so konzipiert, dass man sich in seinem Zimmer aufgrund von Rattenstallatmosphaere nur zum Schlafen aufhalten moechte. Also verbringt man viel Zeit im Wohnzimmer. Zum Glueck steht der Franzose erst um 12 auf, denn den ganzen Tag koennte ich diese aufgesetzte gute Laune mit froehlichem Pfeiffen und Singen wohl nicht ertragen. Zudem irritiert es mich, wenn ich alle 20 min gefragt werde, wie es mir geht. "¿Qué tal, Jessica?" Klobrille geschweige denn Klodeckel muss man auch nicht runterklappen und wenn der Urwald in der Leistenregion mal getrimmt wird habe ich durch das heruntergefallene Laub im Bad gleich auch was davon.

Am besten ist es, wenn seine Freundin da ist. Unsere Zimmer grenzen naemlich direkt aneinander... Und da die spanischen Waende aus Papier bestehen, kann man alles hoeren. Und wenn ich alles schreibe, meine ich auch ALLES!!! Um einige Leser nicht zu verschrecken, werde ich das jetzt mal nicht weiter ausfuehren...

Wenn ich mir etwas koche, werde ich dabei genau beobachtet und staendig gefragt, was ich denn jetzt machen wuerde und was denn jetzt noch da rein kaeme. Pfannkuchen hat er schon von mir gelernt. Muss man auch gleich jedem erzaehlen...

Wenn ich mit beiden einkaufen gehe, versuchen sie sich dabei zu uebertreffen, wer denn nun den Einkaufswagen cooler und laessiger ueber den Parkplatz schieben, entschuldigung, schleudern lassen kann. Posing! Das ist dann schon immer recht unterhaltsam mit anzuschauen...Ausserdem darf ich mein Wasser nicht tragen. Aber das kann mir ja auch nur recht sein.

Naja, eigentlich bin ich aber doch sehr froh, dass ich mit den beiden zusammen wohne. Es gibt immer was zu lachen und ausserdem sprechen beide so gut wie fehlerfreies Spanisch. Da habe ich von vielen anderen schon wahre Horrorgeschichten gehoert...
Naechstes Mal gibt es dann was vom Italiener zu hoeren!
Besitos

Donnerstag, 20. November 2008

¡No puede ser!


Da mein Fahrrad auf dem Flug hierher leider nicht mehr ins Handgepaeck gepasst hat und mir mein Fuenfer einfach zu protzig hier in Spanien erschien muss ich hier mit dem Bus bzw. mit dem Zug (auch als oeffentliche Verkehrsmittel bezeichnet...) Vorlieb nehmen, wenn der gewuenschte Zielort ausserhalb einer Reichweite liegt, die man zu Fuss zuruecklegen kann. Wie z.B. das Uni-Krankenhaus.
Nun darf man sich das Bussystem hier aber nicht so wie in Deutschland vorstellen (jetzt bitte nicht an das Kiel als Vergleich denken!!!). Nee, nee, nee!
Zum Ersten werden Fahrplaene in Deutschland deutlich ueberwertet wie ich hier feststellen musste - in Alicante gibt es naemlich keine. Naja, keine ist uebertrieben. Immerhin steht an den Haltestellen, wann der erste Bus an der jeweiligen End- oder eben Anfangshaltestelle (ist das ueberhaupt ein Wort?) losfaehrt und in welchen zeitlichen Abstaenden. Toll, dann weiss man also, dass die erste Fahrt der gewuenschten Buslinie morgens um 6:30 Uhr beginnt und alle 12 min. (oder eben auch alle 40 min. bei einigen Buslinien) ein neuer Bus startet. Da es leider unmoeglich ist, den Streckenverlauf nachzuvollziehen, kann man sich die Rechnerei, wann der Bus denn ungefaehr an meiner Haltestelle ankommt, auch sparen. Also heisst es: Frueh genug losgehen, warten und hoffen, dass der Bus nicht gerade weg ist und man 20 min. oder laenger warten muss. Wenn man mehrmals zur gleichen Uhrzeit gefahren ist, weiss man dann aber doch ungefaer, wann der Bus kommt.
Das heisst aber noch lange nicht, dass man auch einsteigen darf. Denn zum Zweiten fahren die Busse immer mit derselben Taktung - egal ob morgens um sieben oder zu Stosszeiten. Da kann man schonmal eine gute halbe Stunde an der Haltestelle stehen und drei Busse an einem vorbeifahren sehen, weil sie schon vollgestopft mit Menschen sind. Naja, wenigstens regnet es nicht...
Nun moechte ich aber mal nicht nur meckern. Positiv zu erwaehnen ist, dass das Busfahren hier sehr guenstig ist. Eine Fahrt kostet fuer mich als noch unter 26-jaehrig mit der Bonobus-Karte 52 Cent. Mit der Karte kann man auch gleich bezahlen. Einfach auf das Feld auflegen, Piepen abwarten, fertig. Da fast alle eine solche Bonobus-Karte haben wird der Prozess des Einsteigens(hier uebrigens wirklich nur vorne) erheblich beschleunigt. Im Verlauf der Fahrt schiebt man sich mit den Menschenmassen (die Busse meiner Linie ist fast immer voll) dann immer weiter nach hinten, bis man schliesslich an seiner Haltestelle aussteigt.
Um die Busfahrt noch effizienter zu gestalten, haelt der Bus auch wirklich nur, wenn jemand aussteigen moechte oder die wartende Person an der Haltestelle ein Handzeichen gibt.
Ist natuerlich doof, wenn man das nicht weiss, und sich wundert, warum ein Bus nach dem anderen an einem vorbei faehrt. Wuerde mir natuerlich nie passieren! Habe ich nur von einer guten Freundin gehoert... Die Arme! Stand sie da mit ihrem ganzen Gepaeck an der Haltestelle, dann kam der Bus, der ein Stueckchen zu weit gefahren ist, sie hechtet mit zwei Zentnern Gepaeck hinterher und dann faehrt der Bus ihr einfach vor der Nase weg. Tz, tz, tz...
Zum Glueck ist mir das nicht passiert!

¡Besitos!

P.S.: Kommen auch wieder Photos, habe nur gerade keine dabei...

Sonntag, 9. November 2008

¡Vamos a tomar una copa!



Tja, wie sich ja die meisten von euch denken koennen, habe ich das Nachtleben in Alicante schon reichlich erkundet. Grundsaetzlich laeuft ein freitag abend in Alicante aehnlich ab wie in Deutschland, aber damit ihr euch ein genaueres Bild verschaffen koennt, werde ich einmal einen typischen Abend beschreiben.
In Spanien faengt alles immer etwas spaeter an. Nicht nur morgens bei der Arbeit (die Aerzte fangen in der Regel z.B. nicht vor 8:30 Uhr an), sonder den ganzen Tag ueber. Abendessen gibt es zwischen 21 und 22 Uhr, so dass im Endeffekt eigentlich gar nicht daran zu denken ist, dass man sich vor 23 zum "botellón" (Vorgluehen) trifft. Wenn man ab 22 oder gar 21 Uhr einlaedt wird man ersteinmal schraeg angeguckt und man kann damit rechnen, dass in der Regel keiner vor halb elf auftaucht. Bewaffnet mit einer Flasche Rum und einer Flasche Cola (wahlweise auch Wodka und Red Bull) trifft man sich in einer Wohnung und ist fortan darum bemueht diese zu leeren, was meistens Erfolg hat.
Ab halb eins, oder manchmal auch erst um zwei, macht man sich auf den Weg ins "barrio", das Ausgehviertel in Alicante. Dort gibt es viele kleine oder mittelgrosse Bars, teilweise mit kleiner Tanzflaeche, die am Wochenende meistens brechend voll sind. Haeufig trifft man sich zuerst im bzw. vor dem "Desden", einer zentral gelegenen Bar im Barrio, wo man meistens schon auf die ersten Bekannten und den naechsten Drink trifft. Den Rest des Abends betreibt man dann Barhopping, man tingelt von einer Bar zur naechsten, trifft Freunde und konsumiert noch das eine oder andere alkoholische Getraenk. Um 4 Uhr werden die Buergersteige im Barrio dann hochgeklappt - ist schliesslich eigentlich auch ein ganz normaler Stadtteil, in dem Leute wohnen, die schlafen wollen.
Wer dann noch nicht genug hat, zieht entweder weiter zum "puerto" (dem Hafen in Alicante), wo die Clubs keinen Eintritt kosten, oder zu einer Diskothek bzw. einem Club ausserhalb des Barrios, in denen die Herren der Schoepfung bis zu 15 € Eintritt bezahlen duerfen. Wann die Clubs und Diskotheken schliessen, kann ich gar nicht so genau sagen, aber bis 7 oder 8 Uhr morgens kann man sich ohne Probleme vergnuegen.
Waehrend der Woche kann man sich auch im Barrio verlustieren, wobei man sich haeufig eher auf ein paar Bier und ein paar Tapas trifft - natuerlich nicht vor 22 Uhr. Hier gilt man auch haeufig schon als Langweiler, wenn man es einmal wagt, zwei Abende hintereinander zu Hause zu bleiben. Man koennte also schon fast von Freizeitstress sprechen...

In diesem Sinne

¡Salud!

Montag, 27. Oktober 2008

Setzen, bitte!



Die Uni laeuft jetzt schon die 5. Woche und mittlerweile finde ich mich ganz gut zurecht, was wohl zum groessten Teil auch daran liegt, dass der Stundenplan zum Glueck fuer jeden persoenlich online einsehbar ist - wenn auch nur die Vorlesungen. Weil die Spanier nun einmal gerne Verwirrung stiften, ist der Stundenplan natuerlich jede Woche anders, damit sich auch ja keine Routine einschleicht. Zudem finden die Vorlesungen, die ich habe (sagenhafte zwei Faecher zur Zeit!!!) teilweise gleichzeitig mit meinem Sprachkurs statt. Also dann drei Veranstaltungen zur selben Zeit. Wer sich das ausgedacht hat, ist wohl schizophren... Nach dem Sinn solcher Sachen lohnt es sich auch gar nicht zu fragen.
Mit den Praktikumsplaetzen ist das auch nicht so einfach. Jedes Semester hat einen Delgado, so etwas wie einen Semestersprecher, der das Semester in Gruppen fuer die Praktika einteilt. Da wir Erasmus-Studenten das natuerlich nicht gleich durchschaut haben, muessen wir jetzt die Termine nehmen, die uebrig bleiben. Doof ist das natuerlich dann, wenn nur noch Plaetze im Fruehjahr und Sommer frei sind und man nur bis Februar bleibt. Naja, ist ja auch nicht das Problem der Spanier. Mir sollte angeblich eine e-mail mit meiner Gruppe zugeschickt werden. Als ich dann heute nochmal nachgefragt habe, schaute der nette Spanier ganz verwirrt und meinte, ich haette doch schon laengst eine Gruppe. Hm. Und welche? Na, Gruppe 5. Ach so! Ja dann, dann weiss ich das jetzt auch! Mittlerweile weiss ich auch, dass Gruppe 5 in einem meiner Faecher schon Praktikum hatte. Gut, dann war ich da eben nicht. Gibt bestimmt noch andere Termine fuer mich...
Das Studium an sich ist noch staerker verschult als in Deutschland. Wer zu spaet kommt, ist schon mal Erasmus-Student, weil die Spanier alle puenktlich sind. Auch eine Moeglichkeit, sich als Fremder zu outen. Jedes Semester hat seinen eigenen Hoersaal, der eher einem ueberdimensionierten Klassenzimmer gleicht und jeder noch so unwichtige Kommentar des Vorlesungshaltenden wird gnadenlos mitgeschrieben - einige Studenten schreiben glaube ich sogar die "aehs" mit. Das gute fuer uns Erasmus-Studenten ist, dass fuer jede Vorlesungsstunde zwei Studenten eingeteilt sind, die ihre Mitschrift abtippen und im Kopierladen abgeben muessen. Der Rest kann sich die Mitschriften dann kopieren. Eigentlich eine praktische Sache, wenn man einmal davon absieht, dass die Mitschrift fuer eine Vorlesungsstunde bis zu 13!!! Seiten lang ist, weil eben ohne zu denken mitgeschrieben wird.
In der Augenheilkundevorlesung kommt es dann noch besser. Jede Stunde werden klinische Faelle besprochen. Dazu ruft der nette Herr Doktor 5 Studenten auf, die nach vorne kommen muessen und ihm dann einzeln wie auf dem Praesentierteller Fragen beantworten muessen. Eine leicht unangenehme Situation, wenn man bedenkt, dass man vor 80-100 Studenten steht, die man alle nicht kennt und dann in einer fremden Sprache Dinge erklaeren soll und dafuer auch noch eine Note kriegt. Naja, ich war heute dran und habe es ueberlebt. Freue mich schon aufs naechste Mal!

¡Hasta pronto!

Sonntag, 5. Oktober 2008

Volvo Ocean Race




Wie einige sicherlich wissen, startet das diesjährige Volvo Ocean Race in Alicante. Die Teams samt Booten sind schon seit geraumer Zeit da und ähnlich wie bei den olympischen Spielen gibt es ein sogenanntes "Village". Dieses liegt direkt am Hafen bzw. im Hafen und neben den Booten gibt es natürlich haufenweise Bierstände (Hauptsponsor des Villages ist wohl Amstel) und es wird auch jeden Tag Programm geboten - Konzerte, Shows, Flamenco, Kino und was weiß ich noch alles. Zum Glück herrschen hier noch immer sommerliche Temperaturen, so dass man dort abends gelegentlich mal ein Bierchen trinken gehen kann. Außerdem gibt es auch einen Stand, an dem man sich mal als Grinder versuchen kann, das habe ich mir aber bisher erspart. Gestern gab es nun das erste In-Port-Race. Leider war es ziemlich weit draußen, sodass man es eher aus der Ferne beobachten musste. Einige Bilder habe ich trotzdem geschossen. Nächste Woche startet dann das Renne um die Welt, was ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen werde!

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Mañana. mañana


Just an dem Tag, bevor ich in meine Wohnung eingezogen bin, begann es in der Küche zu tropfen. Als ich also in meiner neuen Behausung ankam, waren der Küchenboden und der Küchentisch mit diversen Schüsseln und Töpfen versehen. Anscheinend gab es wohl einen Rohrschaden im Stockwerk über uns. Darum wurde unsere Nachbarin ersteinmal angewiesen, sich mit dem Wasserverbrauch etwas zusammenzureißen und die defekte Leitung zu schließen. Da es daraufhin natürlich nicht mehr tropfte, passierte auch erstmal weiter nix. Nichts überstürzen oder eben auch mañana, mañana!!!
Nach einer Woche wurde es der Nachbarin wohl zu bunt (nicht ganz unverständlich) und sie setzte sich über das Waschverbot hinweg - diesmal stand unsere Küche dann richtig unter Wasser und wir hatten auch nicht genug und vor allem Behälter ausreichender Größe um die Wassermassen aufzufangen. Da wir nun der Vermieterin mit Nichtzahlung der Miete drohten, wurde der Rohrbruch recht schnell repariert. Nur leider fing es dann eine Woche später an bei uns in der Wohnung zu schimmeln. Nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass es wahrscheinlich schon seit Wochen oder noch länger von oberem Stockwerk geregnet hat.
Nun hatten bzw. haben wir immer noch Schimmel im Flur und im Zimmer mit dazugehörigem Bad des Italieners. Leider war es aber weder dem Hausverwalter noch der Vermieterin klar zu machen (und selbst der Italiener wollte es erst nicht glauben), dass Schimmel in der Wohnung nun einmal gesundheitsschädlich ist. Ob wir denn nicht verstehen würden, dass man erst streichen könne, wenn die Wände trocken seien. Doch klar, verstehen tun wir das schon, nur ist das ja keine Lösung, weil der Schimmel wiederkommt und die Wände eigentlich saniert werden müssten.
Wieder tat sich eine Woche nix. Ich hatte mich schon richtig an die schwarz-grün-blauen Flecken im Flur gewöhnt. Als ich dann heute nach Hause kam, stand die Wohnungstür offen und aus der Küche lachte mir ein Maler entgegen. Etwas irrtiert war ich dann schon, aber der Hausverwalter erklärte mir dann, dass die Wände nun trocken seien und man demzufolge streichen könne. Alles klar! Also hat der Maler die sowieso schon halbabgeblätterte Farbe von der Decke vollständig abgekratzt und neu gestrichen. Immerhin hat er alles ordentlich abgedeckt! Morgen und Montag würde er dann den Flur machen, aber von einem anderen Zimmer wüsster er nix. Ah ja, danke auch. Anscheinend macht das dann wieder jemand anders - in drei Wochen oder so.
Wäre in meinem Zimmer Schimmel, würde ich glaube ich ausziehen, weil ich wenig Wert darauf lege, jede Nacht Schimmelpilzsporen einzuatmen, den Italiener scheint das allerdings weniger zu beunruhigen - und den Hausverwalter bzw. die Vermieterin schon gar nicht. Mañana, mañana!

In diesem Sinne: Bienvenido a Espa
ña!

Montag, 29. September 2008

Erste Berichte


Buenas noches!
Ich werde so nach und nach einmal versuchen, über die vergangenen Wochen zu berichten.
Die ersten Tage in Alicante habe ich mit der Wohnungssuche zugebracht. Insgesamt habe ich mir 5 Wohnungen angeschaut, was recht wenig ist im Verhältnis zu anderen, die sich teilweise bis zu 20 Wohnungen angeguckt haben. Hier gibt es zwar wahnsinnig viele freistehende Zimmer, allerdings sind viele davon nicht gerade wohnenswert. Ich hatte aber Glück und habe eine Wohnung direkt am Strand gefunden. Dazu kommen noch zwei nette Mitbewohner, ein Italiener und eine Ungarin, die aber größtenteils in Deutschland aufgewachsen ist. Dazu muss ich auch sagen, dass Alicante von Ausländern wimmelt - nicht nur Erasmus-Studenten, sondern auch Leute, die hier arbeiten. Franzosen, Italiener, Deutsche, Kanadier, Holländer und viele aus Osteuropa verbringen hier einige Monate oder Jahre. Es ist schon fast eine Seltenheit für mich, wenn ich mich mal mit einem Spanier unterhalte (oder es zumindest versuche).
Die ersten Tage (und selbst jetzt noch) hatte ich ziemlich mit der Sprache zu kämpfen, weil die Spanier die Wörter wie eine Maschinenpistole abfeuern und man meistens nur das erste und das letzte Wort versteht. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt, dass man einfach die Hälfte des Gesagten zu erraten versucht.
Heute hat die Uni angefangen, mal gucken was die so für Überraschungen birgt!

Un saludo

Sonntag, 28. September 2008


Hola mis queridos amigos!
Hier könnt ihr euch die nächsten paar Monate über ein paar hoffentlich unterhaltsame Lach- und Sachgeschichten meinerseits amüsieren und informieren. Vielleicht wird dieser Blog ja bald prall gefüllt sein mit Geschichten von spanischen Eigenheiten und damit verbundenen Erlebnissen, Anekdoten und natürlich einigen Dusseligkeiten meinerseits, die wahrscheinlich nicht ausbleiben werden - und natürlich euren Kommentaren!

Hasta pronto!