Dienstag, 26. Mai 2009

¿Estéril, que es?

Nachdem ich jetzt alle Praktika und andere Uni-Versanstaltungen in Alicante abgeschlossen habe, sind mir in der täglichen Arbeit im Krankenhaus und in der medizinischen Ausbildung doch einige Unterschiede im Vergleich zu Deutschland aufgefallen.
Am auffälligsten empfand ich die komplette Abwesenheit von Händedesinfektionsmittel auf den Stationen. Nach Verlassen des einen Patientenzimmers und vor Betreten des nächsten blickten sich die deutschen Studenten immer hektisch um, um mit Sterilium ihre Hände zu desinfizieren - das ist in Deutschland schließlich gang und gäbe. Sie wurden aber bitter enttäuscht, da man diese Maßnahme in Spanien anscheinend nicht für nötig hält. Da wird eben ein Patient untersucht und einfach zum nächsten übergangen. Was mich auch sehr irritiert hat, war die Tatsache, dass die Türen zu den Patientenzimmern grundsätzlich sperrangelweit offen standen.
Im OP ist mir auch immer wieder aufgefallen, dass die Mehrzahl der spanischen Ärzte bzw. Krankenschwestern anscheinend das Prinzip der Sterilität nicht verstanden haben. Es ist ja nämlich so, dass wenn man einen unsterilen Gegenstand mit etwas sterilem berührt, man selbst dabei unsteril wird und nicht umgekehrt. Häufig wurde auch die nächste OP noch in den Klamotten und Handschuhen der vorangegangen OP vorbereitet und erst vor dem ersten Schnitt die Handschuhe gewechselt - allerdings auch ohne sich zwischendurch noch einmal zu desinfizieren. Wenn sterile Handschuhe angezogen werden, werden sie während dieser Handlung schon unsteril, sodass man sich den ganzen Aufwand eigentlich auch sparen kann.
Die Wechselzeiten zwischen den OPs konnte schon einmal eine Stunde betragen, weil die Schwestern lieber Pause machen wollten und vor 9 Uhr wurde auch nie begonnen.
Relativ unbefriedigend finde ich auch die Ausbildung der spanischen Medizinstudenten. Jeden Vormittag haben sie Praktika in wechselnden Fachrichtungen und nachmittags Vorlesungen. Drei Prüfungen pro Fach sind keine Seltenheit und da sich die Spanier beim Lernen gerne in Details vertiefen, können sie trotz täglichen Lernens in der Bibliothek die einfachsten Fragen nicht beantworten.
Noch schlimmer ist der praktische Teil der Ausbildung - der ist nämlich gar nicht vorhanden. Die Studenten haben kaum Patientenkontakt und bekommen wirklich fast gar nichts beigebracht. Weder Blut abnehmen noch eine Anamnese erheben oder einen Patienten untersuchen. Die Probleme fangen dann an, wenn sie anfangen yu arbeiten. Dann müssen sie nämlich ins kalte Wasser springen und z.B. das erste Mal bei einer OP assistieren oder Patientenaufnahmen machen. Und das mit zum Teil katastrophalen Ergebnissen. Meine Lieblingsgeschichte ist die, in der ein Assistenzarzt in der Neurologie einen Patiente aufnehmen soll. Dies tut er fast ohne neurologische Untersuchung (er hatte noch nicht einmal einen Reflexhammer!!!) und aufgrund schlechter Spanischkenntnisse des Patiente auch ohne Befragung desselbigen. Er übernimmt einfach die Daten des Notfallaufnahmebogens in die Akte und diagnostiziert beim Patienten einen Schlaganfall. Im Endeffekt litt der Patient an extrem hohem Blutdruck und konnte noch am selben Tag entlassen werden. Nie vergessen werde ich auch den Moment, als uns ein Arzt angeboten hat, bei einem Patieten mal einen Zugang zu legen und mein spanischer Mitstudent neben mir schon beim Gedanken daran fast das Bewusstsein verloren hätte.
Deswegen muss ich sagen, dass ich die Ausbildung in Deutschland doch um Längen besser finde als in Spanien und sehr froh bin, einen deutschen Abschluss machen zu dürfen

Montag, 16. März 2009

¡Qué buen rollo en el piso!


So, in letzter Zeit habe ich ja leider meinen Blog etwas vernachlaessigt, aber fuer die, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben und immer noch ab und zu vorbeischauen, werde ich mich bemuehen, wieder regelmaessiger zu schreiben.
In den letzten Wochen und Monaten ist viel passiert, am erwaehnenswertesten erscheint mir als erstes die Tatsache, dass ich meinen Aufenthalt verlaengert habe und nun auch den Sommer hier verbringen werde. Seit 1. Maerz wohne ich auch in einer neuen Wohnung, da mich mein netter italienischer Mitbewohner doch ausdruecklich gebeten hat, ich moege doch ausziehen (um einmal das unschoene Wort "rausschmeissen" zu vermeiden). Um nun mit dieser Episode meines Lebens endgueltig abzuschliessen, werde ich kurz erklaeren, wie es dazu kam und wie bescheuert der Italiener wirklich ist.
Anfangs wohnte ich ja mit besagtem Italiener und einer Ungarin zusammen. Nach und nach bekam ich spitz, dass die beiden wohl bevor sie zusammen gezogen sind ein kleines Techtelmechtel hatten. Fuer die Ungarin war das Kapitel schon lange abgeschlossen, fuer den Italiener anscheinend nicht. Er hatte sich unsterblich in sie verliebt und sie gleich deswegen Ende Oktober aus der Wohnung geschmissen. Ende Januar wurde mir dann mitgeteilt, dass ich doch bitte auch ausziehen solle, da ich noch immer mit ihr befreundet sei und er immer an sie erinnert werde, wenn er mich saehe... Aeh bitte was? Naja, so suchte ich mir eine neue Wohnung und bin Endeffekt sehr froh, dass ich jetzt hoffentlich mit "normalen Leuten" zusammenwohne. Die Wohnung liegt auf jeden Fall sehr zentral und enspricht sogar deutschem Standard - eine wahre Raritaet in Spanien!
Neben kleinen Macken, die wohl jeder hat, hat der Italiener aber auch ein paar groessere. Wie z.B. das allabendliche Pasta kochen (natuerlich nur Barilla, alles andere wird verschmaeht), zu der dann wahlweise Pesto, eine Dose Thunfisch oder eine Packung Lachs gegessen wurde. Obwohl ich hier in Spanien nicht ein einziges Mal Pesto gegessen habe, habe ich seit dieser Zeit eine unglaubliche Aversion gegen eben solches. Baeh!!!
Ausserdem bestand bei ihm immer der Zwang abends auszugehen. Es hiess immer: "Ich muss noch ausgehen heute." Nicht etwa ich will, sondern ich muss. Waehrend der Woche ist er immer um Punkt zwoelf zurueckgekehrt, weil er am naechsten arbeiten musste, um am Wochenende um Punkt vier, um dann um Punkt zwoelf wieder aufzustehen. Sprechen wir einmal von einem geregelten Leben... Und wenn ich mal einen Abend zu Hause war, wurde mir gleich unterstellt, ich sie langweilig und asozial. Ahja, danke fuers Gespraech!
Den Knaller hat er dann an dem Wochenende gebracht, als unsere Ungarin ausgezogen ist. Nichts ahnend sass ich samstag nachmittag im Wohnzimmer, als die Wohungstuer geoeffnet wurde und mir mein Italiener den grob geschaetzten 100 m langen Flur entgegenbruellte, ob was in Ordnung waere, wenn er ein paar Freunde mitbraechte. Klar, kein Problem. Kommt rein! Sofort wurde unsere Wohnung von acht Maennern gestuermt, die offensichtlich einen Junggesellenabschied feierten und mich alle mit grossen Augen musterten. Es seien Freunde von ihm aus Granada wurde mir aufgeregt mitgeteilt und kurzerhand wurde die ganze Bagage mit Pasta und Pesto (was sonst...) versorgt. Etwas irritiert von diesem Ereignis, weil man ja nun eigentlich vorher weiss, dass man von Freunden Besuch bekommt, verkruemelte ich mich erstmal in mein Zimmer und wartete ab. Spaeter, als ich zu einer Freundin wollte, wurde ich dann gefragt, ob ich auf eine Erasmus-Party ginge und ob nicht alle mitkommen koennte. Wieder etwas irritiert vor allem ob der Tatsache, dass seinen Freunden die ganze Situation wohl etwas unbehaglich war, nahm ich den Haufen kurzerhand mit. Auf der Party wurde es dann immer absurder, weil der Italiener mit seinen Freunden gar nicht richtig sprach und auch der Junggesellenabschied sich nicht recht wohl in seiner Haut fuehlte. Sie brachen deswegen auch frueher auf als wir und als wir spaeter in einer Bar wieder auf sie trafen, erzaehlte mir einer aus der Gruppe, dass sie meinen Mitbewohner am selben Nachmittag auf der Strasse kenngelernt haetten. Aeh bitte was? Nochmal!!! In dem Moment habe ich mir nur gedacht, der hat doch echt einen Drehkreisel im Gehirn. Und der fand das alles total normal!
Naja, hoffen wir, dass jetzt alles besser wird!

Un saludo