Nachdem ich jetzt alle Praktika und andere Uni-Versanstaltungen in Alicante abgeschlossen habe, sind mir in der täglichen Arbeit im Krankenhaus und in der medizinischen Ausbildung doch einige Unterschiede im Vergleich zu Deutschland aufgefallen.
Am auffälligsten empfand ich die komplette Abwesenheit von Händedesinfektionsmittel auf den Stationen. Nach Verlassen des einen Patientenzimmers und vor Betreten des nächsten blickten sich die deutschen Studenten immer hektisch um, um mit Sterilium ihre Hände zu desinfizieren - das ist in Deutschland schließlich gang und gäbe. Sie wurden aber bitter enttäuscht, da man diese Maßnahme in Spanien anscheinend nicht für nötig hält. Da wird eben ein Patient untersucht und einfach zum nächsten übergangen. Was mich auch sehr irritiert hat, war die Tatsache, dass die Türen zu den Patientenzimmern grundsätzlich sperrangelweit offen standen.
Im OP ist mir auch immer wieder aufgefallen, dass die Mehrzahl der spanischen Ärzte bzw. Krankenschwestern anscheinend das Prinzip der Sterilität nicht verstanden haben. Es ist ja nämlich so, dass wenn man einen unsterilen Gegenstand mit etwas sterilem berührt, man selbst dabei unsteril wird und nicht umgekehrt. Häufig wurde auch die nächste OP noch in den Klamotten und Handschuhen der vorangegangen OP vorbereitet und erst vor dem ersten Schnitt die Handschuhe gewechselt - allerdings auch ohne sich zwischendurch noch einmal zu desinfizieren. Wenn sterile Handschuhe angezogen werden, werden sie während dieser Handlung schon unsteril, sodass man sich den ganzen Aufwand eigentlich auch sparen kann.
Die Wechselzeiten zwischen den OPs konnte schon einmal eine Stunde betragen, weil die Schwestern lieber Pause machen wollten und vor 9 Uhr wurde auch nie begonnen.
Relativ unbefriedigend finde ich auch die Ausbildung der spanischen Medizinstudenten. Jeden Vormittag haben sie Praktika in wechselnden Fachrichtungen und nachmittags Vorlesungen. Drei Prüfungen pro Fach sind keine Seltenheit und da sich die Spanier beim Lernen gerne in Details vertiefen, können sie trotz täglichen Lernens in der Bibliothek die einfachsten Fragen nicht beantworten.
Noch schlimmer ist der praktische Teil der Ausbildung - der ist nämlich gar nicht vorhanden. Die Studenten haben kaum Patientenkontakt und bekommen wirklich fast gar nichts beigebracht. Weder Blut abnehmen noch eine Anamnese erheben oder einen Patienten untersuchen. Die Probleme fangen dann an, wenn sie anfangen yu arbeiten. Dann müssen sie nämlich ins kalte Wasser springen und z.B. das erste Mal bei einer OP assistieren oder Patientenaufnahmen machen. Und das mit zum Teil katastrophalen Ergebnissen. Meine Lieblingsgeschichte ist die, in der ein Assistenzarzt in der Neurologie einen Patiente aufnehmen soll. Dies tut er fast ohne neurologische Untersuchung (er hatte noch nicht einmal einen Reflexhammer!!!) und aufgrund schlechter Spanischkenntnisse des Patiente auch ohne Befragung desselbigen. Er übernimmt einfach die Daten des Notfallaufnahmebogens in die Akte und diagnostiziert beim Patienten einen Schlaganfall. Im Endeffekt litt der Patient an extrem hohem Blutdruck und konnte noch am selben Tag entlassen werden. Nie vergessen werde ich auch den Moment, als uns ein Arzt angeboten hat, bei einem Patieten mal einen Zugang zu legen und mein spanischer Mitstudent neben mir schon beim Gedanken daran fast das Bewusstsein verloren hätte.
Deswegen muss ich sagen, dass ich die Ausbildung in Deutschland doch um Längen besser finde als in Spanien und sehr froh bin, einen deutschen Abschluss machen zu dürfen
Dienstag, 26. Mai 2009
Abonnieren
Posts (Atom)